Das fängt ja gut an.

Im deutschen Spukschloß ist die Hölle los. Zombies,Vampire, We(h)rwölfInnen und jede Menge kleine Gespenster kämpfen um die Hoheit über den Gruselstammtischen.
Bundeswehr soll familienfreundlicher werden. Aber immer doch! Diese wahnsinnigen Reisebelastungen, das Getrennt-Sein von Familie und Heimat, all das sorgt in Soldatenkreisen für den unzeitigen Wunsch nach Vorruhestand.
Das können wir besser! Beispiel gefällig: Gefahrengebiete Hamburg. „Das Gefahrengebiet war ein Erfolg“  und Scholz darf  den sozialdemokratischen Sheriff geben: „Es sei Aufgabe der SPD, für Recht und Ordnung zu stehen.“  Für was auch sonst sollte die SPD noch stehen. Vielleicht für mehr Soldateneinsätze im Inland? Schon 2012 wußte die TAZ, dass  Soldaten fürs aufsässige Volk gewünscht werden.
Herr Scholz übernehmen Sie!
Einsatzschwerpunkte in der Heimat wären ja genug da: Gefahrengebiete, Feuchtgebiete, Zeckengebiete, Mautgebiete, Rumänien und Bulgaren und natürlich auch Bahngebiete. Die Soldaten wären dann auch nicht so weit weg von ihren Familien. Und wenn sie schwul sind, kümmert sich eben Hitzelsberger  drum und : „macht schwulen Soldaten Mut.“
Wenn das mal kein TOP-Arbeitgeber wird, die Bundeswehr?
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Der vierte König

Die Rückkehr des vierten Königs

Was wäre Weihnachten ohne die Geburt Jesus und was wäre die Geburt Jesu ohne die Geschichte mit den drei Königen aus dem Morgenland, manchmal auch Weise oder Magier genannt -?  Aber waren es wirklich drei oder doch nicht eher vier, wie es manch frühes Kirchengemälde nahelegt? Der vierte König, so die verschollene Legende, kam aus dem hohen Norden.  Wer könnte  der Vierte gewesen sein?  Auf meiner Spurensuche verabrede ich mich telefonisch mit Herrn Kermann, der  momentan  verfügbar und gewöhnlich sehr gut unterrichtet ist. „Klar“, sagt er, er wisse darüber Bescheid, rede aber am Telefon nicht so gern darüber. „Man würde ja nie wissen“, schiebt er mit verschwörerischem Unterton nach. Wir verabreden uns im Kaffeehaus.   Sehr langsam rührt er in seiner Melange. „Um auf ihre Frage zurückzukommen“, beginnt er , müde auf  den Löffel in seiner Hand schauend, “ haben Sie sich noch nicht gefragt, welcher Personenkreis dafür wohl  in Frage käme, wer gerade heute wie ein König angesehen und verehrt wird, wessen Worte von schier unergründlicher Weisheit in allen Medien wieder und wieder kundgetan, ja gleichsam mit Gold gewägt werden…? “ –bedeutsame Pause- „ Und wer kann –quasi aus dem Nichts, mittels  magischer  Märkte , Papier, Stein oder  Dreck,  kurz jede Materie, in Geld wandeln und wieder zurück.“

Sein Blick prüft, ob sich ein Zeichen des Erkennens in meinem Gesicht lesen läßt, bis er ihn, mit dem Kopf mitleidig schüttelnd, wieder auf seine Tasse richtet .

„ Rhetorische Frage oder…?“ sage ich  nach eine gefühlten Ewigkeit, „Der Vierte könnte ein Experte aus der Ökonomie und /oder der Bankwirtschaft gewesen sein.“

Kermann nickt kaum sichtbar, lehnt sich entspannt zurück und erzählt nun eine ganz und gar merkwürdige Geschichte.

“Im Matthäusevangelium Kapitel 2 (11) steht: „Und als sie in das Haus gingen und sahen das junge Kind mit Maria, seiner Mutter, da fielen sie nieder und erwiesen ihm ihre Ehrerbietung. Auch öffneten sie ihre Schätze und versahen das Kind mit Geschenken: Gold, Weihrauch und Myrre.

Was brachte aber der Vierte, der von der herkömmlichen Geschichtsschreibung verschwiegene, König, dar?   Was war sein Geschenk an die heilige Familie?  Und wieso wissen wir heute nichte mehr davon?

Es traf sich für ihn wohl, dass der Platz um das Kind von den anderen drei schon belegt war. Er hatte nämlich kein gegenständliches Geschenk für das Kind. Also ging er gleich zu Josef (sic), der etwas im Abseits stand, direkt neben Ochs und Esel. Er grüßte kurz, sondierte mit nachdenklichen Blicken die gesamte Szenerie und zog Stift und Papier  aus den Falten seines Gewandes. Mit schnellen Bewegungen kritzelte er ein paar Zahlen auf das Blatt, malte ein paar Koordinatensysteme drauf und zeichnete Schnittmengen und Verlaufskurven ein.  Souverän lächelnd stellte er sich Josef als Hans O. Unsinn,  seines Zeichens Ökonom und Vermögensmanager, vor.  „ Lassen Sie mich mal kurz die Lage zusammenfassen: Sie sind arbeitslos, haben Frau und Kind, keine feste Unterkunft, sind auf der Flucht und haben kein Geld. Schwieriger Fall, aber ich kann ihnen helfen. Es kostet nur die Hälfte meiner gewöhnlichen Arbitrage. Dies wird mein Geschenk an das heilige Kind sein. Kommen wir also zum Geschäft.“

Josef schien verwirrt. Dieser Mensch sprach in einer unverständlichen Sprache mit ihm, gleichwohl er die Worte kannte.  Aber unser vierter König  ließ sich nicht beirren.

„ Reden wir von den Assets, der Habenseite : Sie haben Gold,  Weihrauch und Myrre, außerdem virtuell einen Stall sowie zwei Kühe in ihrem Portfolio. Nehmen Sie etwas von dem Gold und lassen Sie sich für dieses den Gegenwert  als Kredit geben. Damit  kaufen Sie den Stall und mit dem Rest gründen Sie einen Hedgefond.“

„Wieso denn Kühe, da sind nur Ochs und Esel, und warum sollte ich den Stall.., was ist ein Hedge…“ fragte Josef eingeschüchtert.  Er wird abrupt unterbrochen

„Kleingläubiger, Unwissender …, unterbrechen Sie mich nicht, Zeit ist Geld. Ochs und Esel sind doch Säugetiere wie Kühe auch, ein Esel kann Milch geben wie eine Kuh und ein Ochs Fleisch geben wie diese,  wollen Sie jetzt Haare spalten?“

O. Unsinn schaut Josef streng an, seine Augenbrauen sind nach oben gezogen, die Augen funkeln streitlustig.

„Also, Sie haben zwei Kühe. Verkaufen Sie nun drei Kühe an ihren eigenen Hedge-Fond, der, mit Akkreditiven von den hier anwesenden drei Königen ausgestattet, bei dem Bankhaus  X & Mass eröffnet wird – die übrigens einem Schwager von mir gehört.  Diskretion ist Ehrensache, wenn Sie verstehen!“

An dieser Stelle blinzelt Unsinn wild mit dem rechten Auge.  Er läuft zu Topform auf.

„Dann führen Sie ein Debt/Equity-Swap aus und verbinden dies mit einer allgemeinen Bieterauktion, so dass Sie nun vier Kühe zurückbekommen, mit einem Steuerabzug bezogen auf das Halten von fünf bis sechs Kühen.  Sie können nun Milch-Rechte  für sechs Kühe geltend machen und diese über einen panamaischen Vermittler zu einer Firma, die im verborgenen Besitz von einem hier anwesenden Mehrheitsgesellschafter ist, auf die Caymans transferieren. Diese Firma verkauft  nun die Rechte an der Milch von nun sieben Kühen zurück an Ihren Hedge-Fond. Der Jahresbericht sagt, dass ihr Unternehmen neun Kühe besitzt, sieben und eine Option auf zwei weitere. Das ist ein guter Anfang. Sie besitzen ja noch Grund und Boden mit Stallung, dann noch etwas Gold in Reserve, wertvolle, seltene Rohstoffe und im Prinzip neun Kühe. Die neun Kühe machen zwar kaum Mühe aber ihr Cash-Flow ist nicht optimal.  Sie beleihen nun ihr Landgut mit einer Hypothek  und verkaufen Termin-Kontrakte für ihre Rohstoffe und die 18 Kühe, in deren Besitz sie zum Fälligkeitsdatum sein werden. Diese Kontrakte sichern sie mit CDS (Credit-Default-Swaps) ab, man weiß ja nie, haha…“

Konvulsive Zuckungen und vereinzelte rötliche Flecken breiten sich im Gesicht Unsinns aus und umrahmen dessen glucksendes, keckerndes Lachen. Er ist vom eigenen Furor überwältigt. Nach Atem ringend stößt er hervor:

„Sie haben nun forderungsbesicherte Wertpapiere, sog. Asset-Backed Securities, in der Hand. Das ist gut!  Und sie haben Terminkontrakte, die als Wertpapiere möglicherweise als spekulativ gelten. Von außen besehen könnten mißliebige Zungen von High-Yield-Anleihen (Schrottanleihen) sprechen. Das wäre schlecht. Mit einem Teilverkauf der Wertpapiere besänftigen sie zunächst ihre Gläubiger und mit dem restlichen Geld gründen Sie ein SPV (Special-Purpose-Vehicle  oder auch Zweckgesellschaft) in die sie ihre Asset-Backed-Securities und zugleich ihre Kontrakte also potenzielle High-Yield-Anleihen einbringen. Sie können nun gemeinsam mit meinem Schwager CDO’s (Collateralized Debt Obligations) ausgeben.  Durch die ausgewogene Verteilung des Risikos werden Sie ein gutes Rating  von Standard & Poor o.ä. Agenturen bekommen.  Verkaufen Sie die neuen Anleihen weltweit, später dann am besten nach Deutschland, die nehmen alles. Nun sprudelt ordentlich „cash“ – Eröffnen sie Konten in der Schweiz, Liechtenstein oder auf den Kanalinseln  und leben Sie mit ihrer Sippe und allen Nachkommen vergnügt bis zu ihrem Lebensende in einem Steuerparadies ihrer Wahl.  Wenn Sie dennoch , außer an die überirdische Gerechtigkeit der Märkte, an etwas anderes, das rein Materielle transzendierende glauben möchten, ja, quasi  glauben, ihr Kreuz weiterhin tragen zu müssen…,  hah..har.. , kleiner Scherz am Rande,  können  Sie  ja über unsere Guernsey- Connection PIIGS-Staatsanleihen kaufen.“

„So war das damals“, schließt  Kermann seine Geschichte. „Nun ja, was soll ich noch berichten,  die Geschichte wurde dann ja anders aufgeschrieben.  Von Josef war dann auch kaum mehr die Rede. Schade eigentlich, der hat damals wirklich eine  ordentliche Performance abgeliefert. Das wäre schon ein Tripple A wert, wenn da nicht der Sohn gewesen wäre… und die Kirche, die davon nichts mehr wissen wollte. Aber diese Geschichte ist wahr und könnte sich heute genauso wiederholen, dafür gebe ich, Josef A.C. Kermann, Ihnen mein persönliches Ehrenwort, ich wiederhole mein Ehrenwort!“

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Zukunft der Arbeit: Das gibt zu denken!

Laut John Markoff von der NY-Times soll Terry Gou- Chef von Foxconn(?) und Herr über Millionen von Arbeitskräften- verkündet haben, er werde für seine  Fertigung 1 Million Roboter einkaufen, da „menschliche Wesen auch Tiere“ seien und „das Verwalten von Millionen Tieren ihm Kopfschmerzen“*  bereite.

Das ist mal ein mitfühlender Firmenboss. Ob seine Kopfschmerzen verschwinden, wenn die vielen Millionen Tiere, die seine Produkte kaufen, das nicht mehr tun können oder wollen?  Und kann ein Roboter ein I-Pad gebrauchen? Soviele Fragen: Erstmal ein Aspirin.

(?)- das ist die taiwanesische Firma, die durch den Selbstmord etlicher, aufgrund der brutalen Arbeitsbedingungen zermürbter Mitarbeiter ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gelangte und nebenbei auch die beliebten APPLE – Produkte herstellt.

* Lemonde Diplomatique Juli 2013

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Ein Rolltreppe abwärts ist ein Rolltreppe abwärts, ist eine Rolltreppe…

Wo bitte, gehts zum guten Leben!

In der Republik wird derzeit viel über Entschleunigung debattiert. Und ja, das  unaufhaltsame Hamsterrad, der immmer undeckte Tisch, die unbedingte Alternativlosigkeit von Allem und Jedem, die unbehagliche Steigerungslogik, der unerbittliche Wettbewerb, die unentwegte Unsicherheit scheinen die Zeit, gedacht als menschliche Lebenszeit, zu verdichten, zu schrumpfen, schneller zu takten und damit zu ‚beschleunigen‘.  Selbst das Nachdenken darüber erscheint, da wo es nicht nur zu der noch ganz schnell mal eben zu lesenden, ganz wichtigen Ratgeberliteratur verkommmt oder als  gut bezahltes Entlastungscoaching für gestresste Manager feil geboten wird, als unzeitgemäß, seltsam gehetzt, atemlos.

Der Soziologe Hartmut Rosa sieht dies als eine Art Atemlosigkeit, die mit fehlender Resonanzerfahrung in und mit der Welt verbunden ist. Man hört die Welt um sich herum nicht mehr, sie wird als stumm erlebt und man kann so sich selbst auch nicht mehr verorten, geschweige den stillhalten.
Eine Resonanzerfahrung kann zum Beispiel die ‚Erfahrung der Anerkennung‘ sein oder einfach  das ‚Offenwerden für etwas‘, was diese Erfahrung ermöglicht.

Schön und gut aber was soll damit gesagt werden: Im Philosophie Magazin antwortet Rosa auf die Frage:

Welche Voraussetzungen sind also nötig, um die Beziehung zur Welt wieder zum Schwingen zu bringen?

“ Zunächst einmal Sicherheit. In einer Situation permanenter Verunsicherung, der Prekarisierung der Lebens-und Arbeitsverhältnisse, [… . …] müssen (wir) uns auf basale Dinge verlassen können. Deswegen bin ich ein Anhänger des Grundeinkommens, weil das signalisieren würde: Man muss keine Angst haben, auf den Abhängen des Sozialen ins Bodenlose zu rutschen. Darüber hinaus brauchen wir wieder Zeiträume, das heißt Zeiten und Räume, in denen nicht dieser Dauerdruck vorherrscht.“

Zeit wird so auch als Unzeit erfahrbar. Ein schönes Wort „Unzeit“. Warum nicht einfach mal sagen können: Diese Anforderung, diese Aufgabe, diese Mail, dieser Auftrag kommt zur Unzeit; ich lass‘ es mir gerade gut gehen!

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Kurzmeldungen Prism Tempora

+++ O TEMPORA, O mores : Big Sister Merkel wußte von nichts. Wer hätte das auch anders gedacht

+++Rückrufaktion der NSA: Aufgrund von Programmierfehlern bei Prism wurde IM- Friedrich ins Stamm-Werk der NSA in Crypto-Stasi City, Fort Meade, Maryland, USA-zurückgerufen – Neuprogrammierung offenbar ein Erfolg!

+++ Friedrich: Ich …äh…habe… auf …den…Fehler, ähh …auf …unseren. Fehler … hingewiesen und meine amerikanischen Freunde haben mich sofort zum Besseren bekehrt. Ich kann Ihnen das beweisen: “ Sicherheit ist Supergrundrecht“ -„Einzelheiten sind vertraulich“-von „all diesen Datenschutzdingen“- „hab ich nicht gewußt“+++Sehen Sie, jetzt läuft es wieder wie geschmiert. 

+++viaFefes Blog. News aus England: GCHQ  – bekannt durch das Markenprodukt Tempora – hat sich an die Gesetze gehalten. Das ist ein Detail, was mir viel zu kurz kommt in der Debatte. NATÜRLICH haben die sich an die Gesetze gehalten. Das ist ja gerade der eigentliche Skandal! Dass die Dienste für ihre Schandtaten nicht mal Gesetze brechen mussten!

So einfach ist das…

 

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Neues aus der BGE-Werkstatt

In Indien, so meldete die LeMondeDiplomatique, findet derzeit ein Experiment mit dem Beduingungslosen Grundeinkommen statt.

http://mondediplo.com/2013/05/04income

Warum auch nicht mal in Deutschland?

Aber auch im Film tut sich was:

Frohes Schaffen – Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral

Der Bericht ist unter http://www.youtube.com/watch?v=O6IpDDqFvPY zu sehen.

Ein schöner Kurzfilm zum Bedingungslosen Grundeinkommen ist folgender:  Arbeitskrise und Grundeinkommen

http://www.youtube.com/watch?v=wZWPK81oYec&feature=youtu.be

Einfach mal reinschauen.

Die wahren Clowns

Clownstreffen in Nürnberg…äh Pardon, FDP-Parteitag

Clowns sind nicht komisch. Clowns sind traurige Gestalten. Clowns sind auch keine Narren. Narren können im besten Fall die Macht der Herrscher_innnen ironisch spiegeln. Clowns machen mir Angst, Clowns grimassieren, Clowns sind einfach nur affirmativ. Ob Brüderle, Steinbrück oder Berlusconi
B. Grillo mag man für einen Clown halten, er ist aber nur ein Narr. Narren halten nicht die Bevölkerung zum Narren, sondern die Mächtigen, die Politiker- und Wirtschaftselite. Wer Grillos Programm liest, merkt sehr schnell: der meint es ernst!
Weniger Ernst meint es dagegen die FDP mit Mindestlohn und der Korruptionsbekämpfung.

Während die Staatsanwaltschaft in Italien gerade Ermittlungen gegen Silvio Berlusconi wegen Abgeordnetenbestechung aufgenommen hat, gibt es in Deutschland nicht einmal ein wirksames Gesetz gegen korrupte Volksvertreter!
Und eine Partei will, dass das so bleibt: die FDP.
Der Vorsitzende des Rechtsausschusses, Siegfried Kauder (CDU), hat letzte Woche zusammen mit SPD, Grünen und Linkspartei einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Korruption bei Abgeordneten endlich unter Strafe stellt. Nicht zugestimmt hat die FDP.

Die Petition kann hier unterschrieben werden

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Merkel, die Pakte und das Pack

Weltwirtschaftsforum in Davos 2013. Davos ist ein interessanter Ort im Kanton Genf. Genau genommen ist es ein Städtchen in Graubünden (sic). Einmal im Jahr treffen sich dort die wirklich Wichtigen und Einflussreichen, die Entscheider und Macher. Klar das „einfache“ Volk muss draußen bleiben, wird aber durch die Medienverlautbarungen darüber informiert, was es in Zukunft zu ertragen hat. Soll ja keiner sagen können, er habe das nicht gewußt! Es ist auch Verlass darauf, dass die Zahl derjenigen Menschen sehr groß ist, die das lieber nicht so genau wissen wollen. Etliche der dort vorgetragenen Reden, obgleich vor Selbstgefälligkeit und Selbstgerechtigkeit strotzend und von Bedeutungshuberei sowie Neu- oder Dummsprech triefend, sind uns in unguter Erinnerung geblieben. Ungut deshalb, weil sie sich als zutreffend und auf beängstigende Weise wirklich herausgestellt haben. 1996 heulte dort der Leitwolf H.Tietmeyer (ehedem Bundesbankpräsident) den schon strahlenden, fast vollen Mond des Neoliberalismus an und besiegelte einen Pakt mit den anwesenden Staatsoberhäuptern, Oligarchen, Ministern und Lobbyisten, mit den Worten: „Von nun an stehen Sie unter der ‚Kontrolle‘ der Finanzmärkte“.* Die Meute heult mit, alle sind zufrieden. Fünfzehn Jahre später waren die meisten Staaten aufgrund der Deregulierungs- und Wettbewerbswillfährigen Politik und der folgenden Spekulationsblasen der entfesselten Finanzmärkte deutlich ärmer, einige wenige dagegen deutlich reicher. Hie wurden Schuldenberge und da schließlich Vermögensberge aufgeschaufelt. Alles im grünen Bereich.
Apropos Grüne und SPD: „Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt.“** verkündete G.Schröder 2005 in DAVOS stolz. Er lobte seine Strukturreform (HartzIV, 400€ Jobs etc.)Und das war ja auch für seine Nachfolgerin ein bindend Maß. War es bei Rot-Grün nocht ein bregrenzter Pakt von Wirtschaftsinteressen und Politik in Deutschland, will es Merkel jetzt wissen. Europa ist das Ziel. Seitdem werden Pakte geschmiedet als gäbe es kein Morgen mehr. Fiskalpakte, Schuldenpakte, Stabilitäspakte, Wirtschaftspakte, Wachstumspakte und jetzt der Pakt für Wettbewerbsfähigkeit:

„Was uns aber noch fehlt – und daran müssen wir in diesem Jahr 2013 arbeiten –, ist eine Antwort auf die Frage: Wie können wir sicherstellen, dass wir in den nächsten Jahren auch eine Kohärenz in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der gemeinsamen Währungsunion erreichen? […]

Merkel spricht dabei von Kohärenz. Das kann Zusammenhang oder auch Abstimmung, Koordination bedeuten.(Duden). Nun ja, eine zusammenhangslose Politik will niemand und sich dabei in Europa abzustimmen ist sicher auch vorteilhaft und eine koordinierte Politik ist, so hofft man, besser als eine unkoordinierte.
Eine Plattitüde ? Nein, ganz im Gegenteil. Der Bergriff der Kohärenz ist in der Psychologie ein eher weiches Kriterium anhand dessen beurteilt wird, ob ein Gedankengang formal und logisch richtig und nachvollziehbar ist. Inkohärenz kennzeichnet z.B. eine Denkstörung. Es gibt auch eine Selbst-Wahrnehmung einer solchen Inkohärenz als Störung bei den betroffenen Personen. Sie wird als Verlust von Identität, Abtrennung oder Fehlen eines Teils von sich (Ich) oder als sich selbst als fremd gegenüberstehend erlebt. Das ist schon nicht mehr so banal. Gehen wir also von dieser Lesart der Bedeutung von Kohärenz aus, wird deutlich, dass die bisherige Politik (Schuldknechtschaft, Privatisierung, Wettbewerb um jeden Preis, marktkonforme Demokratie u.ä.) als nicht mit sich selbst identisch, als unvollständig erlebt wird, ergo als inkoheränt. Es fehlt was! Was dies ist, darüber läßt sie uns nicht im Zweifel:

„Ich stelle mir das so vor – und darüber sprechen wir jetzt in der Europäischen Union –, dass wir analog zum Fiskalpakt einen Pakt für Wettbewerbsfähigkeit beschließen, in dem die Nationalstaaten Abkommen und Verträge mit der EU-Kommission schließen, in denen sie sich jeweils verpflichten, Elemente der Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, die in diesen Ländern noch nicht dem notwendigen Stand der Wettbewerbsfähigkeit entsprechen. Dabei wird es oft um Dinge wie Lohnzusatzkosten, Lohnstückkosten, Forschungsausgaben, Infrastrukturen und Effizienz der Verwaltungen gehen.“***

Es ist also mehr als nur eine quasi berufungsmäßig neoliberale Denkstörung, die hier zutage tritt, es ist ein normatives Programm. Es ist verbunden mit einer regelgeleiteten Vorstellung darüber wie diese Prozesse gestaltet werden sollen.
Überinterpretiert? Merkel ist schließlich Physikerin und keine Psycholgin. Sie fällt, außer im Erhalt der Macht, gerade nicht durch besondere psychologische Raffinesse oder Feingefühl auf. Höchstens mal in der Sparte Küchenpsychologie, wie z.B. bei der schwäbischen Hausfrau.
Vielleicht sollte mit dem Begriff der Kohärenz eher ein physikalischer Bezugsrahmen verbunden werden. In der Physik bedeutet Kohärenz,lt. Wikipädia, die Eigenschaft von Wellen, im dynamischen Verlauf einer gemeinsamen festen Regel zu folgen.
Denkt man sich neoliberale Politik als Welle, deren dynamischer Verlauf sich seit über 30 Jahren über unsere Gesellschaften ausbreitet, bedeutet die Rede von Kohärenz in diesem Zusammenhang nichts anderes als dass wir alle in Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt dieser einen Regel gemeinsam folgen müssen:
Für alle Menschen, Unternehmen und Gesellschaften gilt der Wettbewerb; der Markt entscheidet über die Wettbewerbsfähigkeit; gut ist, sozial ist, was Wettbewerbsfähigkeit schafft. Na also, geht doch, klarer kann so ein Programm nicht ausgesprochen werden.
Um es in der Sprache der Pakte zu sagen: Ein Pakt der Wölfe. Wir werden auf die totale Wettbewerbsfähigkeit eingeschworen. Lohnzusatzkosten gering halten, ergo Unternehmen von der solidarischen Finanzierung befreien; Lohnstückkosten? Löhne der Lohnabhängigen senken; Forschungsausgaben: ergo Eliteunis, Auftragsforschung, Drittmittelfinanzierung fördern; Infrastrukturen: ergo privatisieren (PPP) wie z.B. Wasser oder Straßen, bald Bildung?; und Effizienz der Verwaltungen heißt nichts anderes als weitere Privatisierung von Dienstleistungen, Stellenabbau (lean management) sowie Abgabe von politischer Zuständigkeit und Verantwortlichkeit. „Keine Atempause,Geschichte wird gemacht, es geht voran!“

Soll nochmal einer sagen, er habe von nichts gewußt.

*H.Schumann: Die Globalisierungsfalle (1998)
**Gerhard Schröder in seiner Rede [PDF – 23 KB] vom 28.01.2005 vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos
*** A. Merkel in DAvos http://www.bundeskanzlerin.de/Content/DE/Rede/

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Schönes Gespräch über das Grundeinkommen

Adolf Muschg zum bedingungslosen Grundeinkommen from grundeinkommen.tv on Vimeo.

narzissmus

Das eigene Denken im Ungedachten verbleiben zu lassen? Aber ja doch, jederzeit!

Das Ende des Narzissmus

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung gehört in Zukunf t nicht mehr dazu. Sie ist nicht mehr zeitgemäß. Sie zählt nicht mehr  zu den abgegrenzbaren Diagnosen(DSM). Gemäß dem neuesten Stand der Forschung gibt es sie gar nicht, jedenfalls nicht so richtig, also praktisch in ihrer Reinform. Sind damit die Narzissten verschwunden? Nein, sie werden nur anders behandelt: als Borderliner oder als antisoziale Persönlichkeitsstörung

Der Soziologe Mario Erdheim schrieb einmal: „was es gibt, das sind Herrschende und Beherrschte, und „Narzißmus“ bedeutet je nachdem, ob man „oben“ oder „unten“ ist, jeweils etwas anderes.“

Die neue Elite, die eher amüsiert auf  die ‚guten alten Werte‘ blickt, betont immer dann den Ethos der Arbeit und der Verantwortung für  Wohlstand,  wenn ihr dieser als Weltanschauung nützlich ist.